Für einen Menschen, der um sein tägliches Überleben kämpft, ist die Sinnfrage in dem Moment geklärt, wenn er morgens aufwacht. Das trifft für viele Menschen in unserer Wohlstands-Gesellschaft nicht mehr zu. Kann man deswegen auf Sinn verzichten?
Sinn ist eine wesentliche Antriebsfeder des Menschen und gleichzeitig eine Imunisierung gegen die Widrigkeiten des Lebens. Ein Mensch, der hart arbeitet, um seinen Kindern einen guten Start in das Leben zu ermöglichen, gibt seinem Tun Sinn. Ob andere seine Tätigkeit für sinnvoll erachten, spielt dabei keine Rolle.
Sinn kommt nicht von Außen und kann man auch Niemandem einflößen. "Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben. Aber es hat nur genauso viel Sinn, wie wir ihm geben" sagte schon Hermann Hesse.
Nichts desto trotz, regt sich natürlich Widerstand in uns, wenn wir Dinge tun müssen, die für uns "sinnlos" sind. Aber das Leben besteht eben nicht nur aus Kürelementen. Mit Sinn verhält es sich wie mit dem Glück, es ist kein Dauerzustand, sondern es sind kostbare Momente, die uns immer wieder Sinn spüren lassen.
Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit bei unserer beruflichen Tätigkeit. Ist diese völlig sinnentleert, dann arbeiten wir vor allem gegen Schmerzensgeld. Diesen Mangel an Sinn kann auch eine noch so sinnerfüllte Freizeitgestaltung in der Regel nicht kompensieren.
Es wird sicherlich eine zentrale Führungsaufgabe in der Zukunft sein, Mitarbeitern zu ermöglichen, in ausreichendem Maße Sinn in ihrem Beruf zu erfahren, denn dort liegt Herzblut und Motivation.
Wodurch bekommen Sie Sinn in Ihrem Job?
In diesem Sinne :-) wünsche ich Ihnen viel sinnvoll Erfolg!
Hallo Herr Huber,
AntwortenLöschenwenn ich in einer Arbeit einen Sinn sehe, dann bringe ich mich ein - mit Ideen, mit Vorschlägen, mit mehr Zeit als gefordert und vielem mehr.
Und das Schmerzensgeld, das Sie hier ansprechen für eine "sinnentleerte" Tätigkeit, kann gar nicht hoch genug sein ... denn eine solche Tätigkeit, wenn ich ihr denn nachgehen "muss", macht mich krank.
Hilfreich finde ich ist - aus der Sicht eines Arbeitnehmers - wenn ich bei scheinbar sinnlosen Tätigkeiten nachhake und frage, was dahinter steckt.
Immer wieder habe ich selbst erlebt, dass Tätigkeiten sehr wohl in früheren Zeiten sinnvoll waren, aber bei Veränderungen im Betrieb aus Bequemlichkeit/Nachlässigkeit beibehalten wurden und jetzt sinnlos sind - und demzufolge auch weggelassen werden könnten.
Ich selbst sehe hier beide Seiten in der Pflicht, nicht nur die Führungskräfte, sondern auch die Mitarbeiter. Dazu ist jedoch notwendig, dass die Mitarbeiter und ihre Meinung sowie Erfahrung respektiert werden und Wertschätzung erfahren.
Sonst erfolgt der als sinnlos empfundenen Tätigkeit die innere Kündigung auf dem Fuß.
Grüße,
Dagmar Schnappinger
Ich kann mir meine berufliche Arbeit nicht ohne zumindest einen mittelfristigen, mittelbaren Sinn vorstellen. Wenn ich in ein paar Jahren die Aufgaben wechsle, muss ich zumindest das Gefühl haben, dass ich etwas verändert, bewegt und vielleicht sogar ermöglicht habe. Dafür nehme ich auch gern viel administratives Beiwerk in Kauf, solange es zur Erreichung dieses Ziels notwendig ist.
AntwortenLöschenDie Kompensation über Schmerzensgeld funktioniert bei mir dauerhaft nicht. Aus diesem Grund habe ich irgendwann meine Beraterkarriere an den Nagel gehängt, weil ich dauerhafteres hinterlassen wollte als isolierte Einzelprojekte.
Das geht mir ganz ähnlich. Es ist ein wunderbares Gefühl Menschen und Institutionen zu bewegen und einen Beitrag zur Entwicklung zu leisten.
AntwortenLöschenDa ich Unternehmen meist über einen längeren Zeitraum begleite, kann ich die Veränderungen dann auch in der praktischen Umsetzung sehen. Soviel Schmerzensgeld gibt es nirgendwo, um diese tiefe Freude kompensieren zu können.
Mit sonnigen Grüßen aus Freiburg
Den Sinn meiner Arbeit entdecke ich immer wieder neu alleine darin, dass ich mit Menschen gemeinsam für Menschen arbeite und im Laufe meines Lebens mehr positiven als negativen Stress in meinem Beruf gesucht und so dann auch gefunden habe. Die Vorarbeit für meinen Beruf war intensiv und langjährig, die Arbeit war mitunter schmerzhaft und grenzwertig, aber nie resignativ und die Früchte, die ich nun ernte, machen mich stolz und gelassen!
AntwortenLöschenArbeit ohne Sinn - worin auch immer dieser Sinn bei jedem Einzelnen liegen mag - ist zerstörerisch. Seelisch und körperlich.
AntwortenLöschenAllerdings:
Können Menschen den Sinn ihrer täglichen Arbeit noch er-leben, wenn die Sorge um Arbeitsplatz und Einkommen beinahe täglich und in fast jeder Branche wächst?
Hallo Markus,
AntwortenLöschenDu hast recht, es ist schwer Sinn zu erleben, wenn man voller Sorgen und Ängste ist. Denn beides verengt die Wahrnehmung auf einen Tunnelblick. Dabei übersieht man leider auch schnell, was man an Kostbarem hat und fokussiert stattdessen auf das, was man zu verlieren fürchtet.
Ich glaube das geht jedem Menschen immer wieder mal so. Der Tunnelblick ist für Krisenzeiten auch durchaus hilfreich. Problematisch wird es, wenn er irgendwann chronisch zum einzigen Blickwinkel geworden ist.
Für Freiberufler ist das vielleicht etwas einfacher mit dem Sinn- oder? Wer würde sich schon einen Job kreieren, den er sinnlos findet?
AntwortenLöschenIch gehe da aber noch weiter. Für mich ist nicht nur sehr entscheidend, dass ich meine Arbeit sinnvoll finde (was bei der Arbeit mit Menschen auch sicher leichter ist) als Trainerin, Coach und Autorin, sondern vor allem dass sie mir Spaß macht! Auch durch finanzielle oder andere Krisenzeiten entstehen bei mir eigentlich nie Zweifel am Sinn. Und die Freude an und bei der Arbeit tröstet dann auch darüber hinweg. Wenn schon nicht reich und berühmt, dann wenigstens gute Laune :-). Wobei ein sicheres Einkommen sicher die Laune noch zusätzlich heben kann.
Eine sinn- entleerte Arbeit kann ich mir nicht vorstellen- zumindest nicht auf Dauer. Aber selbst da gibt es ja schon zahlreiche "Tricks" und Philosopien, wie man JEDER Tätigkeit Sinn verleihen kann. Ob durch Fish! oder Zen- egal was du tust, tu es mit voller Hingabe und Konzentration.
Ansonsten bleibt immer noch die alte Formel:
Love it, change it or leave it!